Ein KI-Chat im Unternehmen wirkt auf den ersten Blick einfach: Frage eingeben, Antwort erhalten, fertig. In der Praxis entstehen jedoch schnell Unsicherheiten. Was passiert mit der Eingabe? Warum klingt eine falsche Antwort manchmal so überzeugend? Und wie lässt sich aus einem allgemeinen Chat ein Werkzeug machen, das im Arbeitsalltag verlässlich hilft?
Für Geschäftsführer, IT-Verantwortliche und Fachbereiche ist deshalb zunächst ein realistisches Verständnis entscheidend. Ein KI-Chat ist weder ein allwissender Experte noch eine autonome Entscheidungsinstanz. Er ist ein vielseitiges Werkzeug für sprachbasierte Aufgaben.
Warum der Einstieg in KI-Chats häufig verunsichert
Viele Mitarbeitende testen generative KI mit einer spontanen Frage. Ist die Antwort gut, wirkt die Technik erstaunlich kompetent. Ist sie ungenau, entsteht schnell der Eindruck, KI sei für die Arbeit unbrauchbar. Beide Schlussfolgerungen greifen zu kurz.
Die Qualität hängt stark von der Aufgabenstellung, dem bereitgestellten Kontext und dem gewünschten Ergebnis ab. Hinzu kommt, dass Sprachmodelle Antworten formulieren können, die plausibel klingen und trotzdem falsch, unvollständig oder veraltet sind. Das BSI empfiehlt, sensible Daten sparsam zu teilen und wichtige Ausgaben durch einen Faktencheck zu prüfen.
Die richtige Reaktion ist weder blindes Vertrauen noch pauschale Ablehnung. Unternehmen brauchen klare Einsatzregeln, verständliche Grundlagen und erste Anwendungsfälle, deren Ergebnisse leicht kontrollierbar sind.
Was ist ein LLM und wie entsteht eine Antwort?
LLM steht für Large Language Model, auf Deutsch großes Sprachmodell. Ein LLM wird mit großen Mengen an Text trainiert und lernt dabei statistische Muster in Sprache. Vereinfacht gesagt berechnet es, welche Textbestandteile im jeweiligen Zusammenhang wahrscheinlich folgen.
Ein LLM kann Sprache sehr flexibel verarbeiten, Inhalte strukturieren und verschiedenste Formulierungen erzeugen. Es prüft Aussagen jedoch nicht automatisch so, wie ein Mensch eine Quelle prüft. Eine sprachlich überzeugende Antwort ist deshalb kein Beleg dafür, dass ihr Inhalt stimmt.
Das Modell ist also besonders hilfreich, wenn Sprache verarbeitet, ein erster Entwurf oder ein Vorschlag für eine Struktur erstellt werden soll. Bei aktuellen Fakten, rechtlichen Bewertungen, finanziellen Entscheidungen oder anderen geschäftlich relevanten Aussagen braucht es belastbare Quellen und verantwortliche Menschen. Das war im “Google-Zeitalter” allerdings auch schon so: Niemand würde dem ersten Treffer auf eine Google-Anfrage blind vertrauen ohne andere Treffer hinzuzuziehen, zu vergleichen, abzuwägen.
Wofür eignet sich ein KI-Chat?
Gut abgrenzbare Wissensaufgaben sind ein sinnvoller Einstieg. Dazu gehören beispielsweise:
- lange Texte zusammenfassen und Kernaussagen herausarbeiten,
- ungeordnete Notizen in eine verständliche Struktur bringen,
- einen ersten Entwurf für eine E-Mail, Agenda oder Dokumentation erstellen,
- Argumente, Fragen oder Lösungsmöglichkeiten sammeln,
- vorhandene Texte vereinfachen, kürzen oder an eine Zielgruppe anpassen.
Beispiel: Nehmen wir an, ein Unternehmen möchte das Wissen seiner Fachabteilungen für Kunden besser zugänglich und abrufbar machen. Eine Mitarbeiterin aus dem Betrieb kennt die häufigsten Fragen der Kunden, hat aber wenig Erfahrung darin, einen Text zu strukturieren und auszuformulieren.
Sie beschreibt ihr Ziel, die Zielgruppe und typische Probleme bzw. Fragestellungen ihrer Kunden. Zudem stellt sie der KI Dokumente oder Links zu Wiki-Bereichen zur Verfügung, wo entsprechendes Fachwissen dokumentiert ist.
Die KI erstellt eine Gliederung, listet potenzielle Probleme oder Fragen der Kunden auf und formuliert zugehörige Antworten oder Lösungswege. Anschließend prüft die Mitarbeiterin die getroffenen Aussagen, ergänzt Erfahrungen aus dem Unternehmen und entfernt irrelevante, ungenaue oder vertrauliche Inhalte.
Vor der Veröffentlichung erfolgt eine redaktionelle Freigabe. Der KI-Chat senkt damit die Hürde vom Fachwissen zum ersten Textentwurf. Er ersetzt weder die fachliche Prüfung noch die Verantwortung für den veröffentlichten Inhalt. Ein geteilter Prompt oder Skill kann zusätzlich dafür sorgen, dass bspw. Zielgruppe, Aufbau, Tonalität oder Prüfschritte bei weiteren Artikeln einheitlich berücksichtigt werden.
Was ist ein Prompt und warum bestimmt er die Qualität?
Ein Prompt ist die Eingabe oder Anweisung, die ein Mensch an ein Sprachmodell richtet. Ein Prompt kann aus einer kurzen Frage bestehen, allerdings ist meist eine präzisere Beschreibung notwendig, um die erwarteten Ergebnisse zu erhalten.
Gute Prompts sind keine geheimen Befehle. Sie ähneln einem guten Arbeitsauftrag. Wer einem Kollegen nur sagt „Erstelle mir ein Dokument“, muss mit einem unpassenden Ergebnis rechnen. Dasselbe gilt für einen KI-Chat.
Ein brauchbarer Prompt beantwortet fünf Fragen
- Was ist die Aufgabe? Formuliere möglichst eindeutig und widerspruchsfrei, was erstellt, geprüft, sortiert oder zusammengefasst werden soll und was das Ziel deiner Anfrage ist.
- Welcher Kontext ist nötig? Beschreibe Zielgruppe, Ausgangssituation und relevante Hintergründe.
- Welche Grundlage darf die KI verwenden? Füge einen Text oder Informationen hinzu, auf die sich das Ergebnis stützen soll.
- Wie soll das Ergebnis aussehen? Lege Struktur, Länge, Ton und Format fest.
- Welche Grenzen gelten? Fordere die KI etwa auf, Unsicherheiten zu kennzeichnen und keine fehlenden Fakten zu erfinden.
Dabei ist wichtig zu wissen, dass auch bei jeder dieser fünf Fragen die KI unterstützen kann:
Wenn ich mir nicht klar darüber bin, wie eine Struktur aussehen soll, nicht sicher bin, ob die Aufgabenstellung klar genug beschrieben ist oder ob der Kontext ausreichend ist, um belastbare Ergebnisse zu erzeugen, kann genau das im ersten Schritt mithilfe der KI erarbeitet werden, bevor die eigentliche Aufgabenstellung im zweiten Schritt erfolgt.
Ein guter Start für einen Prompt ist es, das detailliert und schrittweise zu beschreiben, was man selbst bei einer Aufgabenstellung tun würde. Die Schwierigkeit liegt darin, das zu erklären, was unbewusst oder implizit abläuft, über was man nicht mehr nachdenkt oder was einem Erfahrung und Bauchgefühl sagen.
Beispiel: Statt „Fasse das Meeting zusammen.“ lautet ein besserer Arbeitsauftrag: „Fasse das folgende Besprechungsprotokoll für die Projektleitung zusammen. Gliedere das Ergebnis in Entscheidungen, offene Fragen und nächste Schritte. Nenne Verantwortliche und Termine nur, wenn sie im Protokoll ausdrücklich stehen. Kennzeichne fehlende Angaben.“
Auch ein guter Prompt garantiert keine korrekte Antwort. Er verbessert jedoch die Ergebnisqualität und erleichtert die Kontrolle. Ein gutes Ergebnis entsteht in den meisten Fällen in mehreren Schritten: Prompt für den eigentlichen Auftrag mit der KI erarbeiten, Auftrag mittels Prompt an KI übermitteln, Ergebnis mittels weiterem Prompt überprüfen und gezielt überarbeiten lassen, manuelle Prüfung und Überarbeitung.

Wie der Chat in Omega den praktischen Einstieg unterstützt
Der KI-Chat in Omega, die digitale Arbeitsumgebung von fellowork für KI-gestütztes Arbeiten, stellt verschiedene KI-Modelle für typische Aufgaben wie Recherche, Zusammenfassung, Formulierung, Strukturierung oder Ideengenerierung bereit. Dadurch müssen Mitarbeitende nicht für jede Aufgabe eine separate Lösung verwenden.
Geteilte Prompts und Skills machen Wissen wiederverwendbar
Bei der Arbeit mit Omega haben wir schnell festgestellt, dass ein großer Mehrwert darin liegt, Prompts und Skills zu teilen. So können wir sicherstellen, dass “gute” Anweisungen von anderen wiederverwendet werden, Ergebnisse möglichst einheitlich ausfallen und funktionierende Vorgehensweisen adaptiert werden.
Ein Skill ist in diesem Zusammenhang eine wiederverwendbare Anleitung für eine konkrete Aufgabe. Damit kann bspw. definiert werden, wie die KI auf ein Tool (z.B. eine Wissensplattform oder ein Ticketsystem) zugreift und mit diesem interagiert.
So wird aus individuellem Experimentieren eine gemeinsame Lernerfahrung. Ein erprobter Prompt für ein Gesprächsprotokoll oder eine strukturierte Analyse kann mehreren Mitarbeitenden zur Verfügung stehen. Das spart Zeit und verbessert sowie vereinheitlicht Ergebnisse.
Wie Unternehmen KI-Chats kontrolliert einführen
Ein sinnvoller Einstieg in das Thema KI braucht eine konkrete Problemstellung, einen zu optimierenden Zustand, anstatt eines großen Transformationsprogramms:
- Problem auswählen: Suche eine wiederkehrende Herausforderung, etwa die zeitintensive Suche von Informationen oder das Produzieren uneinheitlicher Texte.
- Aufgabe definieren: Erstelle die Aufgabenstellung als Prompt, der das Vorgehen zur Erreichung einer Zielstellung detailliert beschreibt.
- Daten klären: Lege fest, welche Informationen in der verwendeten Umgebung verarbeitet werden dürfen. Datenschutz, Vertraulichkeit und Zugriffsrechte müssen vor dem breiten Einsatz geklärt sein.
- Prompt testen: Erprobe den Arbeitsauftrag mit typischen und komplexeren Beispielen. Sammle Fehlerbilder statt nur gelungene Antworten.
- Prüfung festlegen: Benenne, wer Ergebnisse kontrolliert und anhand welcher Kriterien die Freigabe erfolgt.
- Wirkung bewerten: Prüfe, ob der Ablauf tatsächlich Zeit spart, die Qualität verbessert und von Mitarbeitenden akzeptiert wird.
Erst danach sollte der Anwendungsfall als geteilter Prompt oder Skill standardisiert und auf weitere Teams übertragen werden.
Welche Grenzen und Risiken bleiben?
Ein KI-Chat kann falsche oder erfundene Inhalte ausgeben. In Fachkreisen wird dies als Halluzination bezeichnet. Außerdem kennt ein allgemeines Sprachmodell interne Zusammenhänge nur, wenn diese im erlaubten Kontext bereitgestellt oder über geeignete Systeme angebunden werden.
Auch ein zentraler Zugang löst Governance-Fragen nicht automatisch. Unternehmen müssen festlegen, welche Daten verarbeitet werden dürfen, wer auf welche Funktionen oder Inhalte zugreifen darf und wann eine menschliche Freigabe erforderlich ist. Besonders sensible, personenbezogene oder vertrauliche Inhalte gehören nur in Systeme und Abläufe, deren Schutz und rechtliche Voraussetzungen geprüft wurden.
Die wichtigste Grenze betrifft die Verantwortung. KI kann vorbereiten, strukturieren und Vorschläge machen. Für das Endergebnis ist allerdings der Mensch verantwortlich. Das sollte den Rahmen dafür bilden, wie mit dem Output der KI umgegangen wird.
FAQ
Müssen Mitarbeitende Prompt Engineering lernen?
Sie brauchen keine technische Spezialausbildung. Hilfreich ist die Fähigkeit, einen klaren Arbeitsauftrag mit Ziel, Kontext, Grundlage, Ausgabeformat und Grenzen zu formulieren. Geteilte Prompts und Skills können bewährte Anweisungen anschließend im Unternehmen verfügbar machen.
Welcher Anwendungsfall eignet sich für den Start?
Geeignet sind häufige, klar abgrenzbare und leicht überprüfbare Aufgaben. Beispiele sind das Strukturieren von Notizen, das Zusammenfassen freigegebener Texte oder das Erstellen eines ersten Entwurfs. Geschäftsrelevante Entscheidungen sind kein sinnvoller erster Testfall.
Was unterscheidet einen Skill von einem einzelnen Prompt?
Ein einzelner Prompt ist eine konkrete Eingabe. Ein Skill beschreibt ein wiederverwendbares Vorgehen für eine bestimmte Aufgabe und kann Anforderungen an Input, Ablauf und Ausgabe bündeln. Der Begriff wird hier im Kontext von Omega verwendet und ist nicht branchenweit einheitlich definiert.
Quellen
- Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), „Texte & Co. mit Künstlicher Intelligenz erstellen“, Stand laut Website 28.04.2026. Quelle öffnen. Belegt Risiken falscher oder erfundener Ausgaben sowie Empfehlungen zu sensiblen Daten und Faktenchecks.
- OpenAI, „Best practices for prompt engineering with the OpenAI API“, abgerufen am 11.08.2026. Quelle öffnen. Belegt die Empfehlungen, Anweisungen klar zu formulieren, Kontext bereitzustellen und das gewünschte Ausgabeformat zu beschreiben.










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